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Das Internet ist voll – Warum mein Versuch, „echtes“ Wissen zu teilen, im digitalen Nirvana gelandet ist.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht über Sichtbarkeit, KI-Inhalte, soziale Netzwerke und die Realität neuer Webseiten im Jahr 2026.

Von Andreas Köhler 26. Mai 2026 Digitale Sichtbarkeit
Symbolbild: Ein einzelner Autor schreibt im digitalen Rauschen

Heute schreibe ich keinen gewöhnlichen Artikel. Ich schreibe diesen Text aus einer Mischung aus Frustration und der nüchternen Erkenntnis, dass das Internet, wie ich es kannte, in dieser Form vielleicht gar nicht mehr existiert.

Der naive Idealist

Nach all den Jahren im Onlinebusiness dachte ich, es sei keine große Sache: Eine Webseite aufbauen, Erfahrungen teilen, anderen helfen. Ganz ohne kommerzielles Interesse. Ich war überzeugt, dass Qualität sich durchsetzt und dass Menschen nach wie vor auf der Suche nach authentischem Insiderwissen sind.

Also habe ich mit viel Elan eine Mischung aus Hilfeseite, Verbraucher- und Nachrichtenportal aufgebaut. Ich habe recherchiert, programmiert, täglich Fehler behoben und meine eigene Bewertung zu Nachrichten geschrieben. Ich dachte: Das ist einzigartiger Content, das wird Google lieben.

Die harte Realität nach zwei Monaten

Heute, nach gut zwei Monaten, muss ich feststellen: Es passiert rein gar nichts.

  • Google: Indexiert quasi nichts oder nur das Unwichtige. Meine Artikel und Kaufempfehlungen? Nicht sichtbar.
  • Telegram: Ich folge mir selbst und meinem Bot.
  • WhatsApp: 4 Follower, Reichweite der letzten 30 Tage: 0.
  • Facebook: 44 Follower – allesamt aus meinem direkten Freundeskreis.

Die faktische Reichweite bei fremden Menschen: Null.

Die Analyse: Warum das Netz „tot“ ist

Wenn ich das alles nüchtern betrachte, sieht es so aus als ob mein Projekt gescheitert ist. Meine Motivation sinkt – genau wie die Reichweite. Was habe ich dabei gelernt?

1. KI als kontraproduktives Rauschen

In Wahrheit überschwemmt die KI das Netz mit einer solchen Flut an mittelmäßigen Inhalten, dass echte Arbeit in diesem Rauschen untergeht. Google kann mittlerweile kaum noch unterscheiden, was menschlich wertvoll ist und was nur statistisch wahrscheinliche Wortfolgen sind. Die Indexierung läuft im Schneckentempo, während die Welt sich immer schneller dreht.

2. Das Algorithmus-Diktat

Wer heute Reichweite will, muss entweder massiv Geld für Werbung in die Hand nehmen oder dem Algorithmus das geben, was er will: Emotionen, Sensationen oder – wie man es auf Plattformen wie OnlyFans sieht – ein gewisses Maß an Erotik.

Als seriöser Inhaltsersteller ohne „Skandalpotenzial“ oder „Influencer-Attitüde“ ist man für soziale Netzwerke nahezu unsichtbar. Es ist ein „Pay-to-Play“-System geworden. Das kommt mir bekannt vor: Es ist das gleiche Prinzip wie bei Amazon, Ebay und Co. – wer nicht zahlt, verschwindet in der Versenkung.

Wer von einem Business als Influencer träumt, dem wünsche ich viel Spaß. Es dürfte extrem schwierig werden, sofern man keine junge, attraktive Frau ist, die eine gewisse Erotik ausstrahlt und damit Aufmerksamkeit erzeugt. Oder als Mann auf die Schiene aggressiver Politik-Rhetorik springt, über alles schimpft, Minderheiten dafür die Schuld gibt und angeblich einfachste Lösungen für komplexe Probleme anbietet.

Ein Fazit: Brauchen wir das noch?

Das Internet ist zu einer Wüste aus automatisierten Inhalten geworden, in der man als Einzelner ohne lautes Geschrei nicht mehr wahrgenommen wird. Vielleicht ist die wichtigste Lektion: Wenn die großen Plattformen uns nicht mehr wollen, sollten wir aufhören, für sie zu optimieren.

Vielleicht liegt die Zukunft nicht in der Suche nach der „großen Reichweite“ auf Facebook oder Google, sondern in direkten Verbindungen. E-Mails, persönliche Netzwerke, Newsletter – vielleicht ist das „Small Web“ die einzige Antwort auf die KI-Schwemme. Back to the roots?

Vielleicht enden wir am Ende dort, wo wir vorher waren. Ich stamme aus einer Zeit der persönlichen Kontakte, man verließ das Haus und traf sich mit Freunden, um etwas zu unternehmen. Es wäre wünschenswert, wenn wir dahin zurückfänden.

Was soll aus einer Gesellschaft werden, in der unsere Kinder mit KI aufwachsen und der digitale Assistent zur wichtigsten Vertrauensperson wird? Wo bleibt der Bezug, die menschliche Nähe, das echte Gefühl?

Symbolbild: Persönliche Gespräche statt anonymer Reichweite

Schlussgedanke

Vielleicht schreibe ich in sechs Monaten ein Update. Vielleicht war es aber auch der letzte Artikel.

Vielleicht berichte ich dann, ob ich mich geirrt habe. Vielleicht war es aber auch der letzte Artikel. Wir werden es sehen.

Hast du eigene Erfahrungen gemacht? Hast du eine Meinung dazu? Dann schreib mir gerne über das Kontaktformular.